Augarten Porzellan Homestory

Manu factum est: Nicht alles, was glänzt, ist Gold! oder Manu factum est: In Handarbeit gefertigtes Porzellan aus Wien. Zur Herstellung von Porzellan, das auch Weißes Gold genannt wird, werden nicht nur die vier natürlichen Zutaten Feldspat, Kaolin, Quarz und Wasser benötigt, sondern auch eine große Menge Einfühlungsvermögen, Hingabe und Kunstverstand.

Die im Jahre 1718 gegründete Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist die zweitälteste ihrer Art in Europa. Heute, wie auch damals, wird das Augarten Porzellan in Handarbeit gefertigt. Bei den einzigartigen Stücken der Manufaktur handelt es sich somit um Unikate, die seit der Zeit Maria Theresias den Bindenschild als fälschungssichere Marke unter der Glasur tragen.

Mit modernen Formen und reduziertem Dekor begegnet die Manufaktur dem heutigen Zeitgeschmack – in die Entwicklung werden junge Designer aktiv mit eingebunden. Zwei Mitarbeiter der Manufaktur möchten wir euch heute gerne persönlich vorstellen!

Augarten Porzellan Interview mit Mitarbeitern
Augarten Porzellan Interview

Tamba, 21 Jahre, ist gebürtiger Wiener, die Wurzeln seines Vaters liegen in Gambia. Der junge Keramiker beginnt bald sein drittes Lehrjahr in der Manufaktur.

Wie stehst du allgemein zum Begriff Tradition?

Persönlich bin ich kein sehr traditioneller Mensch, habe aber durch Augarten Tradition schätzen gelernt und hoffe, dass Porzellan die Zeit übersteht und eine Zukunft hat. Ich bekrittle die heutige Wegwerfgesellschaft, in der Tradition wenig Raum hat.

Wieso hast du dich für die Handwerkskunst und nicht für ein klassisches Studium entschieden?

Dass ich im Augarten „gelandet“ bin, ist purer Zufall, oder eher Schicksal. Ich war in der HTL (IT Techniker), dann beim Bundesheer und hatte den Plan danach die Polizeischule zu machen oder Immobilienkaufmann zu werden. Während der Zeit beim Bundesheer habe ich aber meine Meinung geändert und gedacht, dass ich keine Zukunft mit diesen Berufen habe. Deshalb bin ich zum AMS gegangen, die mich zu einem Kurs in einer Keramikwerkstätte geschickt haben. Die Lehrerin der Werkstätte war früher bei Augarten beschäftigt, hat mein Talent entdeckt und mir gesagt, dass Augarten gerade Lehrlinge sucht. Nach einem einwöchigen Praktikum waren die Augarten Manufaktur und ich absolut überzeugt voneinander. Daraufhin habe ich dort meine Lehre begonnen.

Augarten Porzellan Fertigung einer Figur
Augarten Porzellan – Fertigung einer Figur

Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Ich möchte unbedingt bei Augarten bleiben und Augarten möchte mich auch auf jeden Fall weiterhin beschäftigen. In der Zukunft möchte ich Bildhauer- und Zeichenkurse absolvieren, damit ich mich selbst verwirklichen kann und von Grund auf modellieren kann. Ich möchte, dass Augarten von mir profitiert und will meinen Teil dazu beitragen, um die Tradition zu erhalten. Bis dato habe ich 30-40 Figuren gemacht, es gibt allerdings ca. 300 und ich werde insgesamt 10-15 Jahre brauchen, damit ich wirklich selbstständig arbeiten kann. Diese lange Zeitspanne empfinde ich aber als absolut unproblematisch, weil die Arbeit mein Leben ist und ich keine Angst habe, in dieser Zeit etwas zu verpassen.

Wie wichtig findest du es, dass heutzutage noch Handwerks-Berufe wie deiner ausgeübt werden?

Handwerksberufe empfinde ich als sehr wichtig, vor allem wegen der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung. Ich betrachte vor allem das Ersetzen der Menschen durch Maschinen als gefährlich. Genau deshalb empfinde ich meinen Beruf als so positiv, weil der Mensch unersetzlich in der Handwerkskunst ist, und der Mensch noch Mensch bleibt.

Augarten Porzellan Werkzeuge Arbeitsutensilien
Augarten Porzellan – Werkzeug

Wie schätzt du die Gefahr ein, dass solche Berufe immer mehr schwinden?

Ich schätze diese Gefahr als sehr hoch ein, weil vor allem die Arbeitslosigkeit durch die laufende Modernisierung durch Maschinen gefördert wird.

Was findest du besonders spannend an deinem Beruf?

Besonders spannend finde ich, dass man wirklich sieht, was man macht und dass sich jemand anderer über meine Arbeit freut. Ich empfinde Kunst an sich als schön und spannend.

Augarten Porzellan Zutaten
Augarten Porzellan – Zutaten

Sollte Augarten offen für Innovationen sein, um konkurrenzfähiger zu werden?

Ich finde, dass die Augarten Manufaktur in puncto Innovation etwas eingeschränkt ist, weil Porzellan nun mal Porzellan bleibt, aber ich denke, dass man schon innovativer werden könnte. Allerdings befürchte ich, dass Augarten Angst hat, durch Innovationen zu neu zu werden. Tradition sollte aber auf moderne Art und Weise erhalten bleiben können, wie beispielsweise durch die Kooperation mit dem Guesthouse Vienna. Ich empfinde diese Kooperation als neue Chance „alte“ Porzellan-Tradition neu zu interpretieren und besser zu verkaufen.

Kurt Darmohray, 88 Jahre, war von 1942 bis 1988 in der Augarten Manufaktur tätig.

Er hat seine Lehre in der Weißproduktion gemacht, diese beinhaltet die Bereiche: Figuren, Modell, Schleiferei, Gießerei, Brennhaus, und Massemühle. In der Lehre hat er Geschirr und Figuren bearbeitet und war Retoucheur. In seiner Ausbildung musste er alle (etwa 300) Figuren fertigen, später war er nur noch für Staatsaufträge verantwortlich.

In welchen Bereichen waren Sie tätig?

In meiner Ausbildung musste ich alle (etwa 300) Figuren machen, später war ich nur noch für Staatsaufträge verantwortlich. Allerdings war ich nie Porzellan-Maler, sondern war in allen anderen Abteilungen tätig. Ich bin außerdem oft als Fotograf eingesetzt worden, weil das auch privat meine Leidenschaft war und ist.

Augarten Porzellan Fertigung
Fertigung von Augarten Porzellan

Wie sah ein typischer Tag in Ihrem Arbeitsalltag aus?

Während dem Krieg bin ich jeden Tag ca zwei Stunden zu Fuß zur Arbeit gegangen, von Meidling/Schönbrunn bis zur Augarten Manufaktur. Die Brücken über den Donaukanal waren damals zerbombt und ich musste darüber klettern, um in den zweiten Bezirk zu gelangen. Dafür bekam ich dann Lebensmittelkarten und ein kleines Gehalt. In meinen ersten Lehrjahren wurde ich eher als Dachdecker eingesetzt, musste Fenster reparieren und habe relativ wenig über Kunst gelernt. Durch die zahlreichen Zerstörungen aufgrund von Bombenanschlägen, bin ich somit eher Handwerker geworden. Im Winter musste auch die gesamte Belegschaft den Schnee bis in den Donaukanal schaufeln. Außerdem wurde Holz für alle Mitarbeiter gehackt, das jeder nach Dienstende im Rucksack nach Hause transportierte, um heizen zu können. Während des Krieges musste ich immer aus der entfernten Firmenküche zwei große Töpfe mit Erbseneintopf (In der Kriegszeit gab es ein Jahr lang nur Erbsen zu essen) abholen. Nach der Arbeit musste ich immer zur Fliegerabwehr. Alle Nicht-Berufstätigen mussten untertags dorthin, aufgrund meines Berufs wurde ich am Abend dazu eingeteilt.

Augarten Porzellan Teller
Augarten Porzellan

Wie groß war das Unternehmen damals und wie hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren in Ihren Augen entwickelt?

Damals gab es um die 300 Mitarbeiter, davon 80 Porzellanmaler. Heute sind nur mehr 60 Mitarbeiter im Betrieb, davon 30 in der Produktion (15 Maler und 15 in der Weißproduktion). In ganz Wien sind etwa 100 Mitarbeiter für Augarten beschäftigt (inklusive der Geschäfte etc.) Früher bot die Augarten Manufaktur viele Vorteile für seine Mitarbeiter, wie etwa Sportangebote. Es wurde sogar wegen mir ein eigenes Fotolabor gebaut, das bis 2011 existierte. Außerdem habe ich in Kriegsruinen einige Kunstbücher gefunden, die ich mit in die Augarten Manufaktur gebracht habe. Daraufhin wurde eine eigene kleine Bibliothek errichtet, die somit ein Stück Kunstgeschichte gerettet hat. Die Mitarbeiter konnten außerdem sehr günstig Ausschussware erwerben. Deshalb habe ich auch so viele Stücke zu Hause! Von der Technik her hat sich kaum etwas geändert, nur das Brennen wurde deutlich modernisiert.

Was war einer Ihrer prägendsten Momente während Ihrer Zeit bei Augarten?

Durch eine Bombenattacke auf die Augarten Manufaktur wurde ich verletzt und bekam somit den Krieg hautnah zu spüren.

Augarten Porzellan Tassen
Augarten Porzellan

Welchen Bezug haben Sie heute zu Augarten?

Mein Leben war damals Augarten, mein zweites Leben war das Reisen. Ich bin viel gereist in der Welt, alle Kontinente habe ich bereist. Auch zu Hause verfolgt mich Augarten jeden Tag. Zu Hause habe ich viele Figuren: Capriole weiß, Barockpferd, kleine Hirschgruppe, Rosenkavalier, Kaffeeservice, rasendes Pferd und Courbette. Heute sammle ich keine Augarten-Stücke mehr, heute mache ich nur mehr Wellness und in meiner Freizeit baue ich Schiffe. Mein Lebenstraum war es, Maler zu werden, aber das bin ich leider nicht geworden. Von den damaligen Mitarbeitern im Augarten bin ich quasi der letzte Überlebende. Es ist anders heute, meine Freunde leben alle nicht mehr.

Augarten Porzellan Tasse
Augarten Porzellan

Welche Figuren waren besonders speziell für Sie?

Der belgische Gardereiter und die Caprioli.

Insgesamt verfügt die Wiener Manufaktur über eine Produktpalette von mehr als 25.000 verschiedenen Porzellanstücken: angefangen vom Fingerhut, über 80 Zentimeter hohe Bodenvasen bis hin zur barocken Mokkatasse. Abgesehen von dem so genannten Standardprogramm fertigt die Manufaktur auch Meisterstücke, die in der Herstellung eine besondere Herausforderung darstellen, und nur die echten „Meister“ bewerkstelligen können. Seit Generationen und fünf charakteristischen Perioden schafft die Wiener Porzellanmanufaktur in Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern nicht nur Traditionen, sondern auch Innovationen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .